Turniergeschichte

„Warst du da eigentlich schon hier???“ - Na klar, hättes du denn sowas überhaupt ohne mich gemacht?“ - Der kurze Dialog zwischen Ludger und Irmgard Gripshöver sorgt in der kleinen Runde für Gelächter. Er ist Teil des Versuchs, die Anfänge des Reit- und Springturniers auf der Anlage in Lenklar zu bestimmen. Denn Aufzeichnungen darüber gibt es nicht mehr. Schließlich einigt man sich nach einigen Überlegungen und Rechenspielen auf Ostermontag 1976. Denn an jenem Premieren-Wochenende, da ist man sich einig, „wurde unser Opa 85 Jahre alt.“
Es ist kein offizielles Turnier. „Alles spontan organisiert, wir haben erst am Karfreitag dazu eingeladen“, erinnert sich Ludger Gripshöver an die Premiere. Freunde kommen, Bekannte, Nachbarn „Es war ein gemütlicher Tag“, sagt Irmgard Gripshöver. Ausgeschrieben sind Prüfungen auf A- und L-Niveau, zum Teil noch mit Geländestrecken. Aus dem Glagenbach wird Pulvermanns Grab. Die ersten Sieger? Zwei Lokalgrößen. „Kicki Schlunz mit seinem Schimmel und Rainer Freese“, erinnert sich Ludger Gripshöver.
Fortan trifft man sich immer zu Ostern. In den 1980er-Jahren wird der Reitertag offiziell als Tagesveranstaltung bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung angemeldet. Beim ersten Mal besteht das Finale aus einem M/B-Springen.
Rasant entwickelt sich as Turnier ab Mitte der 1990er-Jahre. Durch den Aufstieg von Lutz Gripshöver in die erweiterte Weltelite kommen mehr und mehr bekannte Springreiter nach Werne.
Die Organisatoren wagen einen Spagat. Sie bieten die gesamte Palette vom Einfachen Reiterwettbewerb bis hin zum schweren Springen der Klasse S mit drei Sternen. Anfang des neuen Jahrtausends wird die Veranstaltung erstmals auf sechs Tage ausgedehnt – regelmäßig mehr als 3000 Nennungen zeugen davon, dass das neue Format von den Reitern angenommen wird. Bald sind mehr als 100 ehrenamtliche Helfer damit beschäftigt, optimale Bedingungen für Reiter, Pferde und Zuschauer zu schaffen.
Das Turnier gerät auch nicht in Gefahr, als im Jahr 2000 ein Großfeuer auf dem Hof die Austragung verhindert. Die Tenne brennt bis auf die Grundmauern nieder: Die eingestellten Pferde werden gerettet, das angrenzende Wohnhaus in Mitleidenschaft gezogen.
Im Jahr darauf hält die Weltelite wieder Einzug: Christian Ahlmann, der heutige Bundestrainer Otto Becker, Ludger Beerbaum, Marcus Ehning, Rolf-Göran Bengtsson, Toni Haßmann, Ulrich Kirchhoff, Marco Kutscher, Jessica Kürten, Franke Sloothak – Olympiasieger, Welt- und Europameister und viele andere internationale Champions geben sich an der B54 wieder die Ehre. Sie nutzen mit Freuden den frühen Termin im April, um ihre Pferde auf die Feiluft-Saison in den großen Arenen vorzubereiten.
Und das lockt die Zuschauer auch heute noch – traditionell bei freiem Eintritt – auf die Anlage. Man geht in Werne „zum Turnier“. Es ist ein Ereignis geworden auch für die Region. „Ein richtiges Volksfest“, wie zum Beispiel der mehrmalige Deutsche Meister René Tebbel sagt.
2007, im Jubiläumsjahr des Reitervereins St. Georg Werne (75 Jahre) kommem mehr als 5000 Zuschauer zum Großen Preis – und sehen ein dem Anlass würdiges Siegerpaar: Es sind die Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele von 2004 in Athen, Rolf-Göran Bengtsson aus Schweden und Mc Kinley.
Das größte Lob erhalten die Macher von den Aktiven selbst. 2002 überreichen Hans Günter Winkler und Heinrich-Hermann Engemann als Präsident des Clubs deutscher Springreiter den Wernern eine Urkunde. Lenklar gehört zu den am besten organisierten und durchgeführten nationalen Turniere in Deutschland. Seither haben die Werner dies Jahr für Jahr bestätigt. „Und das“, sagt Rainer Evelt als treibende Kraft, „soll auch so bleiben.“
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